Warum betrifft Hufrehe häufig
nur die Vorderhufe?
Wenn Hufrehe nur eine allgemeine Reaktion des Pferdekörpers auf einen Stoffwechselreiz wäre, stellt sich eine interessante Frage:
Warum sind dann so häufig die Vorderhufe betroffen – und nicht alle vier Hufe gleichermaßen? Die Antwort könnte unter anderem in der Anatomie und Biomechanik der Vorderhufe liegen.
Vorderhuf ist nicht gleich Hinterhuf
Vorder- und Hinterhufe sind nicht identisch aufgebaut und übernehmen auch nicht exakt dieselben Aufgaben.
Diese anatomischen Unterschiede beeinflussen, wie Kräfte im Huf aufgenommen und verteilt werden. Das wird besonders interessant, wenn die natürliche Form des Hufes verändert ist, denn ein Huf ist nicht einfach eine harte „Schale“, die das Hufbein umgibt. Seine Form bestimmt mit, wie die auftretenden Kräfte innerhalb des Hufes wirken.
Was passiert bei einer ungünstigen Hufstellung?
Verändert sich die Hufgeometrie beispielsweise durch lange Zehen, steile Hufe oder einfach grundsätzlich durch zu wenig, also mangelnden Abrieb, verändert sich auch die mechanische Situation. Dabei spielt unter anderem der Palmarwinkel eine Rolle.
Eine Veränderung der Hufstellung kann dazu führen, dass Strukturen im Huf anders belastet werden, als es bei einer physiologischen Hufstellung vorgesehen ist. Und das ist Teil der Antwort auf unsere Frage:
Die Form des Vorderhufes kann ihn unter bestimmten Bedingungen anfälliger für mechanische Veränderungen machen. Eine solche Veränderung kann sich wiederum auf die Funktion des Hufes und seine Durchblutung auswirken.
Der Zwanghuf – mehr als nur ein optisches Problem
Eine besondere Bedeutung hat dabei die Entwicklung eines Zwanghufes. Wenn sich der Huf verengt und seine natürliche Form verliert, verändert sich nicht nur sein Aussehen. Auch die mechanischen Bedingungen innerhalb des Hufes können sich verändern. Gerade beim Vorderhuf ist dieser Zusammenhang besonders interessant. Denn die Frage ist nicht nur: „Wie sieht der Huf aus?“ Sondern: „Welche Kräfte wirken in diesem Huf – und was machen diese Kräfte mit den Strukturen im Inneren?“
Damit kommen wir zu einem Bereich, der bei der Betrachtung von Hufrehe meiner Meinung nach häufig zu wenig Beachtung findet: der Zusammenhang zwischen Hufgeometrie, mechanischer Belastung und Durchblutung.
Warum könnte das für Hufrehe relevant sein?
Bei einer Hufrehe spielen Veränderungen der Durchblutung und der Strukturen innerhalb des Hufes eine wichtige Rolle. Wenn gleichzeitig bereits eine ungünstige mechanische Situation besteht, stellt sich deshalb eine entscheidende Frage: Kann ein Huf, der mechanisch bereits unter ungünstigen Bedingungen arbeitet, auf zusätzliche Belastungen anders reagieren als ein physiologisch funktionierender Huf?
Genau diese Frage halte ich für wichtig, wenn wir verstehen wollen, warum Hufrehe so häufig an den Vorderhufen sichtbar wird.Das bedeutet nicht, dass eine bestimmte Hufform automatisch Hufrehe verursacht. Aber es bedeutet, dass die Biomechanik des Hufes bei der Betrachtung nicht einfach ausgeblendet werden sollte.
Die Vorderhufe genauer betrachten
Wenn ein Pferd Hufrehe entwickelt, sollten deshalb nicht nur Stoffwechsel und Fütterung betrachtet werden.
Auch die Hufe verdienen einen genauen Blick:
- Wie ist die Hufkapsel geformt?
- Wie lang ist die Zehe?
- Wie ist der Zehenwandwinkel?
- Wie groß ist der Palmarwinkel?
- Gibt es Hinweise auf einen Zwanghuf?
- Wie wird der Huf mechanisch belastet?
- Und wie hat sich diese Situation möglicherweise über längere Zeit entwickelt?
Vielleicht liegt ein Teil der Antwort auf die Frage „Warum vorne?“ genau dort, wo wir sie bisher zu wenig gesucht haben: in der Anatomie und Biomechanik des Vorderhufes.
Du möchtest die Zusammenhänge dahinter verstehen?
Die Frage, warum Hufrehe so häufig die Vorderhufe betrifft, lässt sich nicht mit einem einzigen Satz beantworten.
In meinem E-Book „Hufrehe - ein ganzheitlicher Leitfaden“ gehe ich diesen Zusammenhang ausführlich nach.
Dort beschäftige ich mich unter anderem mit den anatomischen Unterschieden von Vorder- und Hinterhuf, Zwanghufentwicklung, Evolution Artübergreifend, die sehr interessante Zusammenhänge aufdeckt und ich spreche/schreibe sehr viel über Belastungen, Winkel, Hufgeometrie (ganz verständlich und spielerisch erklärt) v. a. über Palmarwinkel und mechanischer Überlastung und zeige, warum diese Faktoren bei der Betrachtung von Hufrehe meiner Ansicht nach eine wichtige Rolle spielen.
Wenn du verstehen möchtest, wie sich aus Veränderungen der Hufmechanik möglicherweise ein komplexes Geschehen entwickeln kann, findest du die ausführliche Herleitung in meinem E-Book.